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© Copyright 2017 Goslarer Sportclub von 1908
Als vor nun mehr 100 Jahren sportbegeisterte junge Kaufleute in Goslar aus der Enge der kleinen Vereins­lokale und wenigen Turnhallen, in denen sich zu jener Zeit das turnerische Leben abspielen mußte, hinaus ins Freie drängten und sich dem damals in der breiten Öffentlichkeit so überaus verpönten Fußballspiel verschrieben, kannte man in unserer engeren Heimat noch keinen organisierten Fußballsport, keinen Ver­band, Bezirk oder Kreis, wie sie heute für uns eine Selbstverständlichkeit sind. Damals traf man sich in losen Sportgemeinschaften, von denen es in Goslar unmittelbar nach der Jahrhundertwende ein halbes Dutzend gab - u. a. den FC Viktoria, FC Goslaria, FC Germania, FV Britannia, FC Hohenzollern und als krassen Außenseiter einen FC "Piraten". Diese nannten sich zwar "Vereine" oder "Clubs", bestanden zumeist nur aus einer einzigen Fußballmannschaft und fristeten nur ein kurzes Dasein. Passive Mitglieder gab es kaum, von Jugend- oder Knabenmannschaften ganz zu schweigen. Man spielte in einer Ecke des Osterfeldes, und jene Teams genossen dort Platzvor­recht, die sich als erste eingefunden und das Spielfeld hergerichtet hatten, wobei die Fußballtore mit Stangen und Latten nur sehr behelfsmäßig markiert werden konnten. Häufig kam es vor, daß ein Spieler heute in diesem Klub, am anderen Sonntag in einem Konkur­renzverein spielte, ganz wie es die Verhältnisse mit sich brachten. Man war darob einander keineswegs böse, sprach nicht von Spielerziehung und drohte auch nicht mit einer Sperre. Diese Begriffe waren den ersten Fußballspielern in Goslar völlig fremd. Man spielte ausschließlich des Spieles willen und jagte dem runden Leder auf dem Rasen aus reiner Freude am Fußballsport nach. In diese Zeit fiel die Gründung des Kaufmännischen Sport-Club 1908 Goslar, der am 24. Juni jenes Jahres von einem Dutzend Fußball begeisterter junger Kaufleute in der Gastwirtschaft von Schlimme in der Bäringer­straße aus der Taufe gehoben wurde. Drogist Rudolf Jordan wurde 1. Vorsitzender des KSC 08. Er war gleichzeitig Torwart der Fußballmannschaft und leitete länger als ein Jahrzehnt den Verein, der im Jahre 1919­als nach dem ersten Weltkrieg auch aus anderen Bevölkerungsschichten ein starker Zustrom zum Fuß­ballsport einsetzte - in Goslarer Sport-Club von 1908 e. V. (GSC 08) umbenannt wurde. Rudolf Jordan hat sich im Zusammenwirken mit seinen Mannschafts­kameraden, die in den ersten Jahren gleichzeitig seine Mitarbeiter im Vorstand waren, unbestreitbare Verdien­ste um den Ausbau jener kleinen verschworenen Fuß­ballergemeinschaft zu einem von Jahr zu Jahr stattlicher werdenden Goslarer Sport- Club erworben. 2. Vor­sitzender wurde Sportkamerad Rossig, Kassierer Barthel, Schriftführer Vollbrecht, 1. Mannschaftskapitän (Spielführer) Hess, 2. Mannschaftskapitän Holländer. Die weiteren Gründer des Kaufmännischen Sport-Club 08 waren die Sportkameraden Kraume, Heimberg, Schünzel, Zickner, Eberlein und Hofmann. »Abschiedskneipen« tür Sport-Club-Rekruten Die Mitgliedsbeiträge setzte man damals auf 1,50 Mark je Vierteljahr fest. Im Gründerjahr traf man sich allmonatlich zweimal zu Versammlungen in der Gastwirtschaft von Schlimme. Die Werbung von neuen Mitgliedern beschränkte sich zunächst auf junge Kaufleute. Um den Kontakt innerhalb des Vereins zu pflegen und zu fördern, wurden kleine Feiern im damaligen "Neuen Schützenhaus" am Klusteich arrangiert. Bereits im Februar des Jahres 1909 wurden vereinseigene Schwimmabende im Städtischen Hallen­bad durchgeführt. Mit den jungen zu den Goslarer Jägern einberufenen Rekruten aus den eigenen Reihen hielt man besonders guten Kontakt und veranstaltete für jeden zu den Soldaten eingezogenen Fußballspieler eine "Abschiedskneipe" im Gasthaus "Felsenkeller" . Mit dem Goslarer Jägerbataillon selbst wie vor allem mit dem Schüler-Fußball-Verein (SFV) des Goslarer Realgymnasiums mit Gymnasium befand man sich im besten Einvernehmen. Der Nachwuchs für die 1. Fußballelf z. B. kam seinerzeit zu einem wesentlichen Teil aus den Reihen der Oberschüler, die anfangs als Gäste, später als ordentliche Mitglieder in den Sport-Club aufgenommen wurden (Adolf Alpers, Claer, Jacobs, Gerberding, Gebr. Wolft, Fritz Kühne, Kurt Reiß u. a.). »Papa« Lipp - wertvoller Sport-Club-Zuwachs  In der Gründerzeit gab es im Nordharz noch keine Fußballspiele um Punkte oder Meistertitel, um Aufstieg oder gegen den Abstieg, die Zahl der Vereine und Mannschaften war damals noch recht klein. Als "Papa" Walter Upp, beruflich aus Mitteldeutschland kommend, nach Oker übergesiedelt und am 6. Mai 1910 zum Kaufmännischen SC gestoßen war, erhielt die damals bereits in Blau-Weiß spielende Fußballelf damit einen ebenso wertvollen Spielerzuwachs wie der Verein später einen tüchtigen 2. Vorsitzenden, der sich als füh­render Mann um den Aufbau eines organisierten Spiel­betriebs im Nordharzgebiet außerordentlich und ent­scheidend verdient machte. 1911 die ersten Fußballpunktspiele  Nachdem die ersten Versuche zur organisatorischen Zusammenfassung der Nordharzer Fußball- und Sport­vereine zu einem geschlossenen Sportverband im Jahre 1910 bei den vorbereitenden Tagungen im Hotel "Fürstenhof" und im "Altdeutschen Gildehaus" zu Goslar gescheitert waren, sahen Walter Lipp, August Schumburg, der damalige KSC-Vorsitzende Rudolf Jordan sowie Okers Vorsitzender Schönemann ihre Bemühungen schließlich beim dritten Anlauf am 15. September 1911 von Erfolg gekrönt, wo in "Lüers Hotel" zu Oker der Nordharzer Rasensport-Verband (NRSV) aus der Taufe gehoben wurde. Ihm schlossen sich als erste Vereine der Kaufmännische SC 08 Goslar, FC Viktoria Goslar (mit dem sich zuvor der FC Hohenzollern vereinigt hatte), FC Harzburg, FC Union Vienenburg und der SV Viktoria Oker an, zu denen wenig später der FC Seesen 1911, FC Goslaria Goslar und der FC Preußen Wiedelah stießen. Bei seiner Gründung zählte der Nordharzer Rasensport-Verband, dessen 1. Vorsitz Walter Lipp (KSC 08) übernahm, 150 Mitglieder. Bereits am 3. Dezember des gleichen Jahres wurde dieser Verband als selbständiger "Bezirk 11 Nordharz" in den Norddeutschen Fußballverband auf dessen Hamburger Verbandstag aufgenommen. Der Start für die ersten Meisterschaftsspiele im Nordharz war damit gegeben! Der Fußballsport erfuhr zwar durch den Ersten Weltkrieg eine Unterbrechung, danach aber führte seine Entwicklung steil aufwärts, an der die Blau-Weißen von Goslar 08 maßgeblich beteiligt waren. Acht Jahre nacheinander blieben sie damals im Besitz des Titels eines Nordharzer Bezirksfußball­meisters! Der Nordharz sollte »kassiert« werden Die Versuche des Braunschweiger Bezirks, den schon bei seiner Gründung gut organisierten Nordharzer Fußballverband zu "kassieren", scheiterten an der selbstbewußten Haltung der Nordharzer Verbandsfüh­rer Walter Lipp und seines Stellvertreters und späteren 1. Vorsitzenden August Schumburg, die damals bereits ausgezichneten Kontakt mit den "Allgewaltigen" des Norddeutschen Fußballverbandes pflegten. Über 20 Jahre lagen die Geschicke des damaligen Bezirks 11 und späteren Kreises Nordharz bei diesen beiden Männern in besten Händen. Zahlenmäßig vergrößerte sich der Nordharz durch Zuwachs des MTV Vienenburg, SC 16 Vienenburg, SC Osterwieck, SV Bockenern, FC Groß Rhüden, VfV Seesen und später durch die Vereine im Harzvorland zu einem musterhaft geleiteten großen Fußballkreis. 1912 gastierte Eintracht Braunschweig in Gosar  Rechtzeitig knüpfte man Verbindungen zu den Nachbarverbänden an. Das erste große Schlagerspiel für Goslar wurde die Begegnung zwischen dem Kaufmännischen SC 08 mit einer spielstarken Reise­mannschaft von Eintracht Braunschweig am 27. April 1912. Welch prominenter Klub die Einträchtler schon damals waren, besagt allein die Tatsache, daß sie über eine Reihe bekannter Repräsentativspieler verfügten ­ - ein Tull Harder beispielsweise wurde bei der Eintracht groß, ehe er zum Hamburger Sport- Verein wechselte. Für das Goslarer Propagandatreffen auf der Siechen­hofwiese boten die Braunschweiger mit Richard Queck einen ihrer besten Stürmer auf, der schon sehr früh gegen Ungarn sogar zu Länderspielehren gekommen war. Insgesamt wurde der Braunschweiger dreimal in die deutsche Nationalelf berufen. Das besagte Ungarn-Spiel war am 4. April 1909 (3:3 in Budapest) erst das fünfte der DFB-Länderspielgeschichte. Am 26. Oktober 1910 erzielte Queck in Kleve den deutschen Ehrentreffer bei der 1 : 2-Niederlage gegen Holland, und beim 4: 4 gegen den gleichen Gegner am 5. April 1914 war der Braunschweiger erneut mit einem Treffer beteiligt. Zurück zu diesem denkwürdigen Spiel in Goslar: Welche Bedeutung man auf Seiten der Gastgeber dieser Partie gegen Braunschweig beimaß, geht daraus hervor, daß der Kaufmännische SC 08 jedem Zuschauer ein gedrucktes Programm mit den Aufstellungen beider Teams überreichte - für seinerzei­tige Verhältnisse etwas ganz Außergewöhnliches in Goslar! Vom Osterfeld zur Siechenhofwiese Sehr bald hatte sich das auf dem oberen Osterfeld für mehrere Klubs und Mannschaften zur Verfügung stehende einzige Fußballfeld für den an Mitgliedern und Mannschaften immer stärker wachsenden Sport- Club als zu klein erwiesen. Man ergriff schnell die Initiative, suchte nach einer Ausweichmöglichkeit und fand als passendes Objekt die Siechenhofwiese - das heutige Industriegelände der Odermark- Herrenkleiderwerke. Dort schlug man bereits im Oktober 1911 seine sportlichen Zelte auf, übernahm die Siechenhofwiese von der Stadt in Jahrespacht und baute das Gelände ­dank Zeichnung von Anteilscheinen aus eigenen Krei­sen - zu einem Spiel- und Sportplatz aus. Nach dem Fußball die Leichtathletik Bewußt haben wir eingangs die fußballsportliche Entwicklung in der Gründerzeit eingehender gewürdigt, weil durch sie überhaupt erst die Grundlagen für den Auf- und Ausbau des Kaufmännischen SC zum ersten Sportverein in 60slar und dem Nordharz geschaffen wurden. Nachdem sich zunächst das sportliche Geschehen ausschließlich auf den Fußball beschränkt hatte, wurde zwei Jahre nach der Gründung bereits die Leichtathletik als neuer Zweig der Leibesübungen in das Programm des Sport-Clubs übernommen und am 16. Oktober 1910 das erste Klubsportfest mit Wettbewer­ben über 100 m, Kugelstoßen, Fußballweitstoß, Dreisprung, Speerwurf und Staffellauf auf dem Osterfeld durchgeführt. Nach dem Umzug zur Siechen­hofwiese - Das Klublokal wurde vom Schützenhaus in den "Braunschweiger Hof" (August Redmann) verlegt, ­baute man die ersten "Laufbahnen" längs der Kastanienallee (auf dem Rasen wie er war, steckte man die Bahnen mit schmalen weißen Bändern ab) und ließ eine maßgerechte Sprunggrube ausheben. Die Folge war, daß die leistungsmäßige Entwicklung in der Leicht­athletik schlagartig nach oben führte. So konnte der Chronist für das Jahr 1912 - vom 1500-m-Lauf abgesehen - vom Gewinn sämtlicher Bezirksmeister­schaften sowie je drei zweiter und dritter Plätze durch Mitglieder des Kaufmännischen SC 08 berichten.
Aus der Geschichte des GSC 08
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